Die Erle aus Rottstock



In Rottstock bei Brandenburg haben wir Verbündete gefunden, die mit Leidenschaft, Liebe und Hingabe Forellen, Saiblinge und Störe züchten. Die gleichen Eigenschaften, mit denen wir unsere LuK Gitarren bauen und die Hölzer dazu aussuchen. Matthias und Susanne vom Forellenhof 25 Teiche haben uns die Schönste der 80 Erlen, die direkt am Quellwasser ihrer Fischzucht stehen, ernten lassen.

Rottstock ist ein perfekter Standort für Erlen, da es hier diese Quellen gibt, die flach die Böden sättigen und die Forellenteiche mit klarem Quellwasser speisen und durchfließen. Die Fische und die Erlen lieben das und wir lieben diese Erlen für unsere Gitarren. Die Fische sind köstlich.

Alnus Glutinosa ist die Botanische Bezeichnung dieser Erlen und bedeutet Schwarzerle. Im Volksmund wird sie aber Roterle genannt, denn beim Fällen leuchten die Schnittflächen der gefällten Bäume kräftig rötlichbraun. Sie oxydieren, denn das Grundwasser im Fläming hat einen hohen Eisenanteil. Rottstock ist Plattdeutsch im Flämischen und bedeutet "roter Stock".

Unsere Erle vom Forellenhof 25 Teiche in Rottstock stand direkt am Quellwasserlauf, und ist ca. 120 Jahre alt. Also knapp vor ihrem Lebensende. Unsere Gitarren werden sie lange weiterschwingen lassen.

Ihr Durchmesser ist 80 cm am Erdstammblock in 1,5 Meter Höhe, nutzbare Länge 15 Meter bis zum Übergang vom Mittelstamm zum Zopfstück (Krohne).
Ein schöner Riese in der Umgebung anderer Erlen und Kiefern, Büschen und Gräsern, im leicht abschüssigem Boden. Durch den abschüssigen Standort erhalten wir ein schönes Reaktionsholz, geradlinig mit viel Zug und Druckholz im Bild und leichtem Gewicht durch den schnellen Wuchs zur Sonne.

Der perfekte Zeitpunkt, die Erle zu fällen, ist der erste Tag nach Vollmond bei Sonnenaufgang im Januar. So haben wir es in Eiseskälte um 8:00 früh gemacht. Gleichzeitig den Vollmond im Süd-Westen und die Morgendämmerung im Osten.
Zum Vollmond öffnen sich die Kapillaren, die Stämme schwellen an, und bei abnehmendem Mond ziehen sie sich wieder zusammen. Das geschieht bei gleichem Wassergehalt. Wir ernten also ein trockeneres Holz mit größerem Volumen.

Ernte und Trocknung

Wir ernten alle 3 Jahre einen heimischen Baum vor unserer Tür.

Erle, Esche oder Ahorn. Wir trocknen dieses Holz vor unserer Werkstatt draußen im überdachten Verschlag 2 Jahre um die äußere Feuchte zu entlassen. Gleich nach dem Abstapeln der Bohlen werden die Stirnholzschnitte mit Parafin versiegelt, um ein zu schnelles Trocknen zu verhindern. Das Holz gibt kaum Geräusche durch Rissbildung und Spannungsentlasstung von sich, da es langsam passend zum winterlichem Klima trocknet. Kalt, windig und trocken. Nach 2 Jahren ist dieser Prozess abgeschlossen. Der Feuchtigkeitsgehalt ist von über 70% auf ca 20% gesunken.
Dann trocknen wir das Holz 2 Jahre in der Werkstatt, um die innere Zellfeuchte zu entlassen bis es 12% erreicht hat. Dabei wird das Holz nach unserem Bedürfnis des Gebrauchs schrittweise in jährlichen Abständen runtergeschnitten. Wir benötigen Körperschnitte, Halskanteln, Griffbretter, Decken für E-Gitarren und Zargen und Böden für Western und Jazzgitarren.

Das Erscheinungsbild des Holzes spiegelt sich im Wuchs des Baumes wieder. Da sind immer Individuen, die besonders und außergewöhnlich sind. Diese suchen wir aus. Zu erkennen sind sie am Wuchs zum Licht, Stammbild, Baumumgebung im Verbund mit anderen Bäumen unterschiedlicher Arten, Büschen, Sträuchern, Pilzen und Sporen, der Erde, der Waldfläche, und dem Klima. Wir suchen keine kerzengeraden Baumspießer unter den Bäumen, die gerne von der Industrie des Gitarrenbaus ausgesucht werden. Diese Spießer sind gleichmäßig im Holzbild und berechenbar in Verarbeitung und Klang. Die Gitarrenbauindustrie verarbeitet sehr gern Zuchtbäume aus eigenen Plantagen und rühmt sich gern im grünen Ökohemd. Der Boden in diesen Plantagen wird ausgelaugt und mit Chemie aufgepimmt. Echter Lebensraum mit Artenvielfalt und den dazugehörigen Kleinpflanzen und Tieren sind unerwünscht. Monokultur wie in der Uckermark zu DDR Zeiten.

Der Wald ist ein Ökosystem in unglaublicher Vielfalt

Bäume sind Individuen, die untereinander kommunizieren, mit einer Lebensdauer von der wir Menschen nur träumen können.
Die bildlichen und klanglichen Eigenschaften unserer ausgesuchten Individuen sind überraschend, vielseitig, charaktervoll, bunt.
Schon beim Durchsichten und Abklopfen der ausgehobelten Hölzer können wir Paare zusammenstellen, die im Bild wie auch im Klang einzigartig sind.
Wir klopfen die Hölzer mit einem Klavierhammer ab, und ordnen sie tonal zu Paaren für die jeweilige Gitarre. Boden, Decke und Zargen ergeben so eine harmonische Einheit. Jedes Holz hat seinen speziellen Charakter und verlangt volle Aufmerksamkeit, um zu einem optimalen Instrument zu werden.

Die Erle: Nutzung und Geschichte

Erle hat sich als Klangbild in dem Gitarrenbau einen festen Platz erobert. 1956 hat Fender aus einem einfachem Grund seine gesamte E Gitarrenproduktion, bis auf die Tele in blond, auf Erle umgestellt. Die Erlenkörper ließen sich, vor der Lackierung, in einem Gang füllen (grundieren). Für die Esche, die vorher benutzt wurde und viel weitere Poren besitzt, ist dieser Zeitaufwand erheblich höher. Time is money.
Die klangliche Auswirkung spielte dabei keine Rolle. Heute ist sie Kult.
Und die Erle stand einfach vor der Tür und war genauso billig zu haben wie die Esche. Des Weiteren haben sich die Fräsköpfe nicht so schnell abgenutzt. Musste doch zum Schärfen oder Erneuern der Fräsköpfe die gesamte Produktion unterbrochen werden.

Der Klang der Erle

Den Klang der Erle als Körperholz beschreibe ich als ausgewogen mittig. Die Tiefen sind druckvoll und direkt. Die Höhen sind samtig und nicht schneidend aggressiv. Ihr Widerstand zur schwingenden Saite ist wohlwollend anregend. Unsere heimische Erle ist eng gemasert und dicht im Bild, was den Klangcharakter stabilisiert. Das leicht höhere Gewicht gleichen wir konstruktiv aus.

Nachhaltig

Wir schaffen bei diesem von uns gefällten Baum am gleichen Standort viel Licht und Platz für die Jungpflanzen unseres Baumes. Ihnen steht bereits das gesamte Wurzelwerk zum Wachsen und Kommunizieren zur Verfügung.
Zucker ist die Muttermilch der Erlen, die über das Wurzelgeflecht an die Baumkinder gegeben wird.

Tropische Holzfunde sehr alter Bäume, die bis 1960 geschlagen und natürlich getrocknet wurden, wie Mahagoni, Ebenholz oder Palisander ersetzen wir durch heimische Bäume in umliegenden Wäldern in der märkischen Schweiz oder in Brandenburg als Baumpaten.


Ihr Lutz Heidlindemann